Verfahrens­vergleich

Bei Kleinkläranlagen und Kläranlagen gibt es verschiedene biologische Reinigungsverfahren, die sich in ihrer Technik, ihrem Energieverbrauch und ihrem Wartungsaufwand deutlich unterscheiden. Zu den gängigsten Verfahren gehören das vollbiologische Festbettverfahren, das Wirbelbettverfahren (MBBR), das SBR-Verfahren, stromlose Festbett-Systeme sowie das klassische Belebtschlammverfahren.

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede dieser Verfahren auf einen Blick – von der Funktionsweise über den Energiebedarf bis hin zu Betriebssicherheit und Einsatzbereichen. So erhalten Sie eine schnelle Orientierung, welches System sich für Ihre Anforderungen am besten eignet.

Vergleichstabelle: Kurzer Überblick aller gängigen Verfahren von Kleinkläranlagen/Kläranlagen

Vergleich Kläranlagen
Kriterium Vollbiologisches Festbettverfahren Wirbelbett-Verfahren SBR-Verfahren Stromloses Festbett-Verfahren Belebtschlamm-Verfahren
Abkürzungen / Bezeichnungen SAF
(submerged aerated filter)
Bioreaktor mit Festbett Festbettverfahren mit Biofilmtechnologie
MBBR
Moving Bed Biofilm Reactor =Bewegtbettverfahren
SBR
Sequencing Batch Reactor, Chargenbetriebene Kläranlage
BF
Biofilter
z.B. Lavagestein, Kunststoffkörpern, Mineralmaterial, oder spezielle Biofilterelemente
ASP
(Activated Sludge Process)
Suspensionsverfahren, Aerobes Belebungsverfahren
Funktionsprinzip Mikroorganismen wachsen vollbiologisch auf fest installierten Aufwuchsflächen. Mikroorganismen wachsen auf frei beweglichen Kunststoffträgern. Reinigung in zeitlich gesteuerten Behandlungszyklen:
Typische Phasen:
• Befüllen
• Belüften
• Absetzen
• Klarwasserabzug
• Ruhephase
Biologische Reinigung über stromlosen Festbettkörper. Das Filtermaterial muss je nach System und Betriebsbedingungen irgendwann gereinigt, teilweise erneuert oder ausgetauscht werden. Reinigung durch frei schwebenden Belebtschlamm.
Funktionsbeschreibung Bei der DELPHIN® Kläranlagen erfolgt die vollbiologische Abwasserreinigung ohne Chemie über ein modernes Festbettverfahren.
Die Mikroorganismen wachsen dabei auf fest installierten Biofilmträgern (die nicht erneuert werden müssen, da sie nicht mit Schlammentsorgung abgesaugt werden, wie beim Wirbelbett) und reinigen das Abwasser besonders effizient und wartungsarm.
Im Belebungsbecken befinden sich viele kleine Kunststoffkörper („Biofilmträger“), die ständig im Wasser in Bewegung gehalten werden. Auf diesen Trägern wächst ein biologischer Film aus Mikroorganismen. Diese Bakterien reinigen das Abwasser. Die Bewegung entsteht meist durch Belüftung, oder Umwälzung. Das SBR-Verfahren ist ein biologisches Reinigungsverfahren für Kleinkläranlagen.
Die Reinigung erfolgt dabei in mehreren zeitlich gesteuerten Phasen innerhalb eines Behälters.
Durch Belüftungs- und Ruhezyklen wird das Abwasser biologisch gereiigt.
Nach der Belüftungsphase folgt die Absetzphase, bei der sich der Belebtschlamm, auf Grund seines höheren Gewichts, am Boden des Biologiereaktors sammelt. Gleichzeitig bildet sich im oberen Bereich der Kammer eine Klarwasserzone.
Das Abwasser fließt durch ein festes Filterbett, zum Beispiel aus Lavagestein, Kunststoffkörpern, Mineralmaterial, oder speziellen Biofilterelementen.
Auf diesen Oberflächen bildet sich ein Biofilm aus Mikroorganismen.
Die Bakterien bauen organische Verschmutzungen im Abwasser biologisch ab. Der notwendige Sauerstoff wird meist natürlich über Luftkontakt, Schwerkraft, oder passive Belüftung eingetragen. Deshalb „stromlos“ oder „energiearm“.
Beim Belebtschlammverfahren erfolgt die biologische Reinigung des Abwassers durch frei im Wasser schwebende Mikroorganismen („Belebtschlamm“).
Durch Belüftung wird Sauerstoff eingebracht, damit die Bakterien organische Verschmutzungen abbauen können.
Biologie im System fest angewachsener Biofilm beweglicher Biofilm suspendierte Biomasse fest angewachsener Biofilm suspendierte Biomasse
Stromverbrauch gering mittel mittel bis höher kein bzw. sehr gering mittel bis höher
Technischer Aufwand gering mittel höher sehr gering höher
Bewegliche Teile im Behälter keine! teilweise vorhanden häufig vorhanden keine häufig vorhanden
Wartungsaufwand gering mittel mittel bis höher gering mittel bis höher
Empfindlichkeit bei Stoßbelastung gering gering bis mittel mittel höher höher
Eignung für Ferienhäuser / schwankende Belastung sehr gut gut eingeschränkt bis mittel eingeschränkte eher eingeschränkt
Geräuschentwicklung gering gering bis mittel mittel keine mittel
Schlammproduktion gering mittel mittel gering höher
Reinigungsleistung hoch hoch hoch mittel hoch
Steuerungstechnik einfach mittel aufwendig keine bzw. sehr einfach aufwendig
Robustheit im Langzeitbetrieb sehr hoch
(geringe Wartungskosten und Ausfälle)
hoch abhängig von Steuerung und Technik mittel mittel
Einbau- und Betriebskosten Wirtschaftlich, gering mittel mittel bis höher gering mittel bis höher
Typische Einsatzbereiche Kommunale und gewerbliche Anwendungen, größere Anlagen sowie Einfamilienhäuser, kleine Gewerbeeinheiten, Ferienhäuser kommunale und industrielle Anwendungen, größere Anlagen sowie Einfamilienhäuser, kleine Gewerbeeinheiten, Ferienhäuser Einfamilienhäuser, Wohnanlagen Nischenanwendung - abgelegene Standorte ohne Stromversorgung kommunale Kläranlagen, größere Systeme
Vorteile hohe biologische Leistung, kompakte Bauweise, wartungsarm, energieeffizient, robust hohe biologische Leistung, kompakte Bauweise hohe Ablaufqualität möglich stromlos, einfache Technik bewährte Standardtechnik
Nachteile regelmäßige Belüftung erforderlich, aber geringer Stromverbrauch bewegliche Träger, die immer wieder ersetzt werden müssen, technischer Aufwand komplexere Steuerung geringere Reinigungsleistunghöherer höherer Energie- und Wartungsaufwand

Vergleichstabelle: Unterlasttauglichkeit von Kleinkläranlagen (bei Belastungsschwankungen)

Bei Kleinkläranlagen beschreiben die folgenden Begriffe unterschiedliche Belastungszustände der Anlage. Sie sind wichtig, weil dezentrale
Anlagen (z. B. bei Einfamilienhäusern, Ferienanlagen oder kleinen Siedlungen) oft stark schwankende Abwassermengen haben.

Tabelle: Begriffe, Bedeutung und Ursachen
Begriff Bedeutung Ursache
Nulllast Kein Abwasserzufluss Gebäude ungenutzt
Unterlast Weniger Abwasser als geplant Weniger Bewohner
Hydraulische Stoßbeschickung Kurzzeitig sehr hohe Wassermenge Gleichzeitige Nutzung vieler

Intermittierende Nutzungsmuster führen in dezentralen Abwasseranlagen zu ausgeprägt diskontinuierlichen hydraulischen und stofflichen Belastungsverläufen. Charakteristisch sind kurzzeitige hydraulische Stoßbelastungen mit erhöhten Volumenströmen sowie überdurchschnittlichen CSB-, BSB5- und Stickstofffrachten, die sich auf wenige Stunden oder Tage konzentrieren. Demgegenüber stehen mehrtägige bis mehrwöchige Phasen mit stark reduzierten Zulaufmengen oder vollständigem Stillstand. Im Jahresmittel resultieren daraus vergleichsweise geringe spezifische Frachten, während die Bemessungsbelastung temporär deutlich
überschritten werden kann. Diese Dynamik führt zu ungünstigen Verhältnissen zwischen Schlammalter, Substratverfügbarkeit und Sauerstoffeintrag. Aus verfahrenstechnischer Sicht sind insbesondere folgende Effekte zu beobachten:

Besonders betroffen sind kontinuierlich durchströmte Systeme, deren Reinigungsleistung unmittelbar an eine konstante organische Belastung gekoppelt ist. In solchen Fällen kann es nach längeren Stillstandszeiten zu verlängerten Wiederanfahrphasen kommen, in denen die geforderten Ablaufwerte (bei manchen Kläranlagen) nicht sicher eingehalten werden. Zur Gewährleistung der Ablaufanforderungen gemäß wasserrechtlichen Vorgaben sind daher Verfahren erforderlich, die:

  • eine ausreichende Biomassekonzentration auch in Unterlastphasen stabilisieren,
  • über hydraulische und stoffliche Pufferkapazitäten verfügen,
  • eine flexible Anpassung von Belüftung und Beschickung ermöglichen,
  • sowie kurzfristige Lastspitzen ohne signifikanten Wirkungsgradverlust kompensieren können.

Für dezentrale Anlagen in Ferienhäusern, Wochenendgebieten oder saisonal genutzten Wohnobjekten ist die Prozessstabilität bei Unterlast ein entscheidendes Kriterium. Die wesentlichen Systeme im Vergleich:

Vergleich Kläranlagen
Kriterium Festbett-Verfahren
(Bio-Reaktor)
Wirbelbett-Verfahren
(Moving Bed Biofilm Reactor – MBBR)
SBR
(Sequencing Batch Reactor)
Stromlose Festbett-Verfahren
(Rock Filter)
Belebtschlamm-Verfahren
Unterlasteignung Sehr gut / hoch Gut bis sehr gut Sehr gut Mittel / ausreichend Eingeschränkt
Prozessstabilität bei Lastschwankungen Sehr hoch
(fixierter Biofilm + Speicherzonen)
Hoch (bewegter Biofilm, gute Durchmischung) Hoch Mittel Mittel bis gering
Nitrifikationsleistung Sehr hoch Hoch Hoch Eingeschränkt Mittel
Anschaffungskosten Mittel bis hoch Mittel Mittel Gering Mittel
Betriebskosten (Strom, Wartung) Strom + Wartung, effiziente Prozessführung Strom für Belüftung + moderate Wartung Strom für Belüftung + moderate Wartung Kaum Strom, geringe Technik Stromaufwand + regelmäßige Wartung
Mechanische Komplexität Mittel (Gebläse + Steuerung) Mittel (Gebläse, bewegte Träger) Mittel Gering Mittel
Biomasseform Fixierter Biofilm Bewegter Biofilm (Wirbelbett) Suspendiert (Belebtschlamm) Fixierter Biofilm (passiv) Suspendiert
Vorteile bei Unterlast Robustes Verfahren, Hohe Schlammalterstabilität, geringe Biomasseverluste Gute Sauerstoffversorgung, stabile Biofilmträger Zyklische Pufferung Robust bei sehr geringer Dauerlast
Eignung für Ferienhäuser / Wochenendobjekte Sehr gut
(mit Funktionsgarantie bei Unterlast)
Sehr gut
(aber abhängig von Steuerung)
Mittel Gut geeignet laut Herstellerangabe, jedoch kein Beweis bzw. Garantie! Weniger geeignet
Unterlast-Garantie des Herstellers Ja*
z.B. DELPHIN® - compact, AQUATO® - 3K-PLUS
Ja*
z.B. Bergmann Beton + Abwassertechnik - wsb-clean, Picobells GmbH - Picobells
Ja*
z.B. GRAF - Klaro Easy, PPU Umwelttechnik GmbH – ClearFox
Eignung für Ferienhäuser laut Hersteller**
z.B. Biorock BEASY-2000, GRAF easyCompact
-
Bewertung + + + + +
(+ Funktionsgarantie von DELPHIN)
+ + + + + + + + + + + + +

*Solche Zusagen werden in der Regel nicht als „bedingungslose Garantie“ formuliert, sondern abhängig von:

  • korrekter Anlagenauslegung (Bemessung gemäß Nutzungsmuster)
  • regelmäßiger Wartung und Betreiberpflichten
  • definierten Ablaufwerten und Lastprofilen im Vertrag

Quelle: Fachbericht in gwf Wasser + Abwasser, Ausgabe 04 | 2026, Vulkan-Verlag, Autor Elmar Lesch

Verfahrensvergleiche – im Detail

Bei Kläranlagen haben sich unterschiedliche biologische Reinigungsverfahren etabliert, die sich vor allem in ihrer Betriebsweise, Steuerung und Robustheit unterscheiden. Zwei der am häufigsten eingesetzten Systeme sind das vollbiologische Festbettverfahren und das SBR-Verfahren (Sequencing Batch Reactor).

 

Die folgende Vergleichstabelle zeigt die wichtigsten technischen und betrieblichen Unterschiede beider Verfahren auf einen Blick – von der Funktionsweise der Biologie über den Energieverbrauch bis hin zur Eignung bei schwankender Nutzung. So erhalten Sie eine klare Orientierung, welches Verfahren für welche Anforderungen am besten geeignet ist.

Vergleichstabelle: Festbett-Verfahren versus SBR-Verfahren

Vergleich Kläranlagen
Kriterium Festbett-Verfahren SBR-Verfahren
Biologie Bakterien bleiben fest im System, auch bei Belastungsspitzen bleibt Biologie aktiv Biologie wird in Zyklen „geführt“, empfindlicher bei Störungen im Ablauf
Steuerungsaufwand gering höher
Wartungsaufwand für Funktionsteile gering mittel
Energieverbrauch für Membranverdichter, Pumpe, Steuerung konstant niedrig
(Belüftung konstant)
mittel, stark zyklisch und schwankend
(Belüftung systemabhängig)
Bewegliche Teile im Behälter keine häufig ja
Durchströmung/Betriebsweise kontinuierliche Durchströmung
(sehr stabile und gleichmäßige Reinigungsleistung)
diskontinuierlicher Betrieb
(phasenabhängige Biologie, empfindlicher bei Lastwechseln)
Stoßbelastung robust abhängig von Steuerung
Ferienhausbetrieb mit Nutzungsschwankungen (Einhaltung der Abwasserwerte) gut geeignet und sehr stabil eingeschränkt
Geräuschentwicklung keine bis gering
(besonders wenn Technikmodul im Außenmodul bzw. im Behältermodul installiert ist)
abhängig vom Membranverdichter
Langzeitstabilität, Robustheit und Betriebssicherheit hoch abhängig vom System
Reinigungsleistung konstant gut, optimierbar sehr gut, optimierbar
Verfahren ist besser, wenn
  • hohe Betriebssicherheit wichtig ist
  • wenig Wartungsaufwand gewünscht ist
  • schwankende Nutzung vorkommt
  • mehr technische Steuerung akzeptiert wird
  • konstante Nutzung vorhanden ist
Fazit biologisch stabil & robust im Dauerbetrieb technisch flexibel & leistungsoptimierbar